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Wissensaustausch per Twitter

Wer in der Wissenschaft tätig ist, weiß, was „Wissenskosten“ sind. Wissenschaftliche Fachartikel kosten im spezialisierten Verlagswesen viel Geld. Jetzt haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, um kostenlos an überteuerte Fachliteratur zu kommen. Denn Bildung sollte für jeden zugänglich sein. Egal wie dick die Brieftasche ist.

 

Wer Fachliteratur benötigt, muss sein Konto durch einige Ausgaben erleichtern. Auch Universitäten zahlen im Jahr gewaltige Summen. Die Verlage weisen auf die Qualitätssicherung hin und rechtfertigen so die Preise für die Artikel. Jedoch werden Texte üblicherweise kostenlos von Fachleuten kontrolliert.

 

Mehrere Fachartikel können im Handel schnell über 30 Euro kosten. Selbst Forscher, die in diesen Arbeiten zitiert werden, müssen diese Preise zahlen.

 

Die ungerechtfertigten Kosten werden nicht mehr akzeptiert. Deshalb hatte die Forscherin Andrea Kuszewski aus San Francisco vor einiger Zeit die Idee, Twitter zu nutzen. Mit dem einfachen Hashtag “#icanhazpdf” wird nach Fachartikeln gefragt. Liest dies jemand mit Zugang zu gesuchter Literatur, schickt er die gewünschte Literatur per E-Mail. Eine wichtige Regel hierbei ist, dass sich niemand bedankt. Denn ganz legal ist diese Methode nicht. Durch das kostenlose Bereitstellen der Fachliteratur, verstoßen Forscher gegen das Urheberrecht. Um keine Spuren zu hinterlassen wird der betreffende Tweet danach gelöscht. Und dennoch unterstützen viele diese Verteilung. “#icanhazpdf” ist eine Form des Protests, der jedem die Chance auf Wissen ermöglichen soll.

 

Dass Wissenschaftler Publikationen untereinander tauschen, hat es schon immer gegeben. Früher noch über persönliche Kontakte, heute durch soziale Netzwerke.“#icanhazpdf” wird auch kritisiert. Einerseits, weil Bibliotheken dadurch Konkurrenz erfahren, und andererseits, weil Wissensdiebstahl vermutet wird. Doch wie die Erfinderin des Hashtags feststellt, handelt es sich beim Kopieren von Information nicht um Diebstahl. Beim Kopieren bleibt das Original erhalten, während beim Diebstahl der Eigentümer das Original verliert.

 

Wissenschaftler leben von kopierten Informationen. Sie ergänzen und erweitern diese, um sie anschließend wieder weiterzuverbreiten. Genau das macht Wissenschaft aus!