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Bild: © pexels
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Energie aus explosivem italienischen Sand

Sonne, Wasser, Wind und Erdwärme sind Energieträger auf welche die Menschheit baut, um nachfolgenden Generationen eine schöne Welt zu bieten. Seit neuestem ist aber auch Sand Teil dieser Energielieferanten.

 

Das Urlaubsland Italien ist nun nicht mehr nur für das gute Essen und die Kultur bekannt, sondern auch wegen einer revolutionären Energiegewinnung. In Milazzo (Sizilien) steht das erste Sand-Energie-Werk, das in Betrieb ist. Es handelt sich um ein Pilotprojekt. Noch ist nicht sicher, ob die „Sandenergie“ für größere Kraftwerke geeignet ist. Zur Energieerzeugung wird das Stem-Verfahren angewandt, das sich aus der Solarthermik weiterentwickelt hat. Der Vorteil dieser Energiegewinnung ist, dass der erwärmte Sand auch während der Nacht Energie erzeugt. Der Sand kommt hierbei nicht vom für den Tourismus wertvollen Strand, sondern aus Flüssen.

 

Chemisch gesehen ist Sand Siliziumdioxid – eine Verbindung aus Sauerstoff und Silizium (Hauptbestandteil von Solarpaneelen). Damit diese beiden Elemente getrennt werden können, benötigt es viel Energie, die aus Sonnenkraftwerken gewonnen wird. Diese verwendete Energie geht allerdings nicht verloren, sondern bleibt zu einem hohen Prozentsatz im Silizium, das gefahrlos transportiert werden kann. Die italienische Anlage stoppt hier aber nicht den Prozess, sondern stellt aus dem Silizium sogenannte “Silane” (Silizium und Wasserstoff) her, die fast genauso viel Energie, wie Benzin enthalten. Das positive an Silanen ist, dass sie sich wie Kohlenwasserstoffe, Erdöl, Erdgas und Kohle verwenden lassen. Nur eben aus einer “grünen” Herstellung.

 

Doch die Silane haben auch erhebliche Nachteile, denn sie sind explosiv. Sobald sie in Kontakt mit Luft, Alkohol oder Wasser kommen, heißt es in Deckung gehen. Nicht ganz ungefährlich also.

 

Die Schattenseiten

So grün sieht die Zukunft der Energieerzeugung aus Sand gar nicht aus. Diese Methode hat weitere Nachteile. Irgendwann kann immer weniger Sand aus Flüssen abgesaugt werden, weshalb auch aus dem Meer Sand hochgepumpt wird beziehungsweise muss.

 

Schiffe mit riesige Schwimmbaggern, die mit saugarmen ausgestattete sind, können bis 400.000 m3 Sand pro Tag vom Meeresgrund hochpumpen. Das Problem liegt hier nicht nur am übermäßig hohen Schiffsverkehr, sondern auch an den zerstörerischen Folgen. Lebewesen und lebende Organismen werden durch den Druck des Saugers getötet, wodurch der Meeresgrund irgendwann nicht mehr besiedelt wird. Korallen ziehen sich zurück, kleine Fische finden keine Heimat und die Raubfische stehen vor einer Nahrungsknappheit. Eine weitere Folge wäre die Existenzbedrohung der Fischer. Grüne Idee, aber es steckt mehr dahinter!